Sankt Petersburg

Reiseeindrücke und anekdoten

Peterhof, Katharinenpalast, Pawlowsk, Zarskoje Zelo, Marjinski-Theater ...

es ist nicht immer leicht durchzublicken, welche Zarin und welcher Zar was gebaut und seiner Gattin oder seinem Sohn zum Geschenk gemacht hat. Und dann die vielen großartigen Bauwerke meist italienischer Architekten. Trezzini, Rossi, Rastrelli, Quarenghi, sind die Namen, die immer wieder fallen.

Sehr viel erfuhren wir über die Geschichte und den Lebensstil der Zarenfamilien seit Peter dem Großen. Es ist schwer fassbar, mit welchem Prunk sie sich umgeben haben. Zur 300-Jahr-Feier von Sankt Petersburg 2003 wurde sehr viel saniert und restauriert, so auch das von der deutschen Wehrmacht schwer beschädigte Peterhof mit seinen goldglänzenden Wasserspielen, der Katharinenplast mit dem Bernsteinzimmer und Pawlowsk – alles sorgfältig und aufwändig wiederhergestellt. Dank dieser Prachtbauten und großartigen Adelspaläste, die heute mit ihren Kunstsammlungen als Museen dienen, sind die Romanows immer noch sehr präsent und locken Abertausende von Touristen aus aller Welt an.

 

Weiße Nächte

Die Stadt, insbesondere der Newski-Projekt, waren bei dem schönen sommerlichen Wetter sehr belebt – auch wegen der Nähe zu den „weißen Nächten“, in denen es kaum dunkel wird. In den Tagen unserer Anwesenheit wurde es zwar bald nach 23 Uhr dunkel, aber um ca. 3 Uhr morgens schon wieder hell. Mitglieder einer auf unserem Flur untergebrachten chinesischen Reisegruppe beeindruckte dies so sehr, dass sie morgens vor 6 Uhr schon fix und fertig angezogen alle Türen ihrer Zimmer geöffnet hatten und sich von dort über den Flur hin laut unterhielten. Sie dachten wohl, dass das gesamte Stockwerk allein von ihrer Gruppe belegt sei. Unser Schlaf wurde jedenfalls eher durch die munteren Chinesen als durch die Helligkeit gestört.

 

Natalja Alexandrowna Puschkin

Beim Besuch der Puschkin-Wohnung kam die Rede auch auf die jüngste Tochter des Dichters, Natalja Alexandrowna, die bei seinem Tod 1837 erst acht Monate alt war. Sie lebte mit ihrem zweiten Ehemann, dem Prinzen Nikolas von Nassau, in Wiesbaden und ist dort auch mit ihrem Mann im Mausoleum der Herzogin Pauline auf dem Alten Friedhof beigesetzt.

Zu deren Lebensgeschichte konnte ich bei der Führung etwas beitragen: Natalja war unglücklich verheiratet mit dem General Michail von Dubelt als sie bei den Krönungsfestlichkeiten für den Zaren Alexander II. 1856 Prinz Nikolas kennenlernte und die ganze Nacht mit ihm durchtanzte. Der Prinz nahm die schöne junge Frau kurzentschlossen mit nach London. Es dauerte elf Jahre, bis der Zar in die Scheidung einwilligte und das Paar heiraten konnte. Da es sich um eine morganatische – also nicht standesgemäße – Ehe handelte, hatte Natalja Puschkin nicht das Recht, den Namen ihres Mannes anzunehmen. Aus diesem Grund verlieh ihr der Schwager des Prinzen, Georg Fürst zu Waldeck und Pyrmont, den Titel der Gräfin von Merenberg.

Natalie Gräfin von Merenberg überlebte ihren Gatten um sieben Jahre und starb 1913 in Cannes, im Haus ihrer Tochter Sofia Gräfin de Torbi.

Vorher schon hatte Großherzog Wilhelm von Luxemburg, Nachfolger des verstorbenen Großherzogs und Herzogs Adolf von Nassau, deutlich gemacht, dass er eine Beisetzung der morganatischen Ehefrau seines Onkels neben ihrem Ehemann in dem zur Familiengruft gewordenen Mausoleum der Herzogin Pauline nicht zustimmen werde. Darüber sei Natalija Alexandrowna so empört gewesen, dass sie ihrem Schwiegersohn, dem Großfürsten Michail Michailowitsch, das Versprechen abnahm, sie nach ihrem Tode zu verbrennen und ihre Asche in der Gruft über dem Sarg ihres Mannes auszuschütten. So schlimm kam es dann doch nicht. Natalie von Merenberg wurde zwar auf eigenen testamentarischen Wunsch hin verbrannt, die Urne mit ihrer Asche jedoch auf dem Grab ihres Mannes aufgestellt.

 

„Rastane Uliza“

Die Buslinie 3 fährt über den Newski-Prospekt und über den Ligowski-Prospekt zur „Rastane Uliza“, wo wir im Hotel Bristol wohnten. Das traute ich mir schon zu, alleine dorthin zu finden. Unsere Begleiterin Anna machte sich jedoch große Sorgen. Schließlich sprach ich kein Russisch und Englisch versteht man hier nicht unbedingt. Also schrieb sie mir die Haltestelle, an der ich aussteigen musste, sicherheitshalber nochmal auf.

Nach meinem Spaziergang wartete ich also am Newski-Prospekt auf die Linie 3, stieg ein und ging zur Schaffnerin – sie saß auf einem extra Sitz etwas erhöht –, um mir einen Fahrschein zu kaufen. Dabei fragte ich sie nach der Haltestelle „Rastane Uliza“. Sie verstand nichts. Schließlich zeigte ich ihr den Zettel. „Ah, Rrrassstannje ullizza!“ Hatte ich was anderes gesagt? – Klar, das „R“ wahrscheinlich nicht richtig gerollt und die anderen Konsonanten auch nicht richtig betont.

Ein junges Mädchen, das in ihrer Nähe saß, verwies sie kurz auf einen anderen Platz und setzte mich an deren Stelle. Sie bedeutete mir, dort sitzen zu bleiben, bis sie mir Bescheid gebe, wo ich aussteigen soll. Zwischendurch ging sie durch den Bus , um Fahrkarten zu kontrollieren. Ich wurde nervös, fürchtete die Haltestelle zu verpassen. Sie bedeutete mir streng, auf meinem Platz zu bleiben. Es kam noch ärger, eine Haltestelle hieß „Rastane uliza“ – das hatte ich ganz deutlich gehört – und ich sollte immer noch sitzen bleiben. Mit einer Dame, die neben mir saß, nahm die Schaffnerin das Gespräch auf und bedeutete mir, mit dieser zusammen auszusteigen. Tatsächlich kam noch eine Haltestelle „Rastane uliza“, die richtige. Die Dame stieg mit mir aus, und begleitete mich bis zur Einmündung der „Rastane uliza“. Wenige Meter noch und ich war wohlbehalten im Hotel!

 

Über Wiesbadens "russische Vergangenheit"

Über Wiesbadens „russische Vergangenheit“ hat die Sankt Petersburger Historikerin Marina Werschewskaja viele Jahre in den Archiven ihrer Heimatstadt und in Wiesbaden geforscht. Die Ergebnisse finden sich in dem Buch „Gräber erzählen Geschichte – die russisch-orthodoxe Kirche der hl. Elisabeth und ihr Friedhof in Wiesbaden“, weitere Angaben hier.

Die dynastischen Verbindungen zwischen Nassau und Russland förderten vor allem Herzogin Pauline, die zweite Frau Herzog Wilhelms von Nassau und ihre Schwester Helene, die als Frau des Großfürsten Michail Pawlowitsch, dem jüngeren Bruder des Zaren Nikolaus I., Großfürstin Jelena Pawlowna wurde. Die Beziehungen wurden noch enger, als die Tochter der Großfürstin, Elisaweta Michailowna und der junge Herzog Adolf von Nassau heirateten. Im Frühjahr 1844 konnten die Wiesbadener ihren Herzog Adolf und seine junge Frau Elisaweta aufs Herzlichste begrüßen. Groß war die Trauer, als die Herzogin schon ein Jahr später im Kindbett verstarb.

 

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